• Zusammenfassung: Aus der schriftlichen Überlieferung der antiken Ethnographie kennen wir ethnische Bezeichnungen oder Gentilnamen, deren Bedeutungen und Bedeutungskontinuitäten oft nur schwer zu fassen sind. In den Peripherieräumen des Imperiums agierten gentes bzw. ἔθνη. Die römische und griechische Literatur bietet diesbezüglich aber keine unmittelbaren Aussagen hinsichtlich sozialer Realitäten oder der Bedeutung ethnischer Identitäten für diese Gruppierungen. Vielmehr wurde in solchen Texten eine Welt unter Verwendung tradierter Topoi nach ethnischen Kategorien beschrieben und geordnet. Nachdem barbarische Kriegereliten im Laufe des 5. und 6. Jahrhunderts auch innerhalb der Reichsgrenzen Provinzen zu regna formten, entstanden literarische Herkunftsgeschichten, die den gentes einen altehrwürdigen Ursprung gaben und dadurch gemeinsame Herkunftsvorstellungen verfestigten wie einen Anschein von Ebenbürtigkeit gegenüber der traditionsreichen römischen Aristokratie liefern sollten.