Aesthetics of Religion is a new paradigm that connects research approaches on materiality, the body, the senses, media, and religion. This network emerged from the working group “Aesthetics of Religion” (founded in 2007) of the German Association for the Study of Religion (DVRW). From 2015 to 2018, a network of fifteen scholars from Germany and abroad were part of AESTOR.NET, promoting this approach at six conferences and workshops funded by the German Research Fundation (DFG). The network of scholars recently published “The Bloomsbury Handbook of the Cultural and Cognitive Aesthetics of Religion”.

XR religionsästhetisch

2 replies, 2 voices Last updated by  Esther-Maria Guggenmos 1 year, 12 months ago
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  • #26299

    Esther-Maria Guggenmos
    Participant
    @guggenmos

    Der junge Journalist Valentin Raskatov von Sputnik News wollte sich mit mir über religionsästhetische Aspekte bei XR unterhalten: https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20191021325889015-extinction-rebellion-weltuntergangssekte/ Er freut sich, wenn man ihn bei religionswissenschaftlich interessanten Themen kontaktiert.

  • #26334

    Alexandra Grieser
    Participant
    @alexandragrieser

    Dear all, very interesting topic, and I had a few thoughts to add to this. I realised, however, that the comments on the sputnik site are populist, to put it mildly. Sputnik is a Russian news agency, which is described as promoting “alternative news”. I am not willing to engage there, but maybe people in this group who have read Esther-Maria’s piece and the comments can make use of the thoughts, so I post them here.

    Was in dieser Diskussion zu kurz kommt ist die Tatsache, dass die Proteste nicht vom Untergang der Welt kuenden; das Label wird ihnen angeheftet. Was sie addressieren ist die Zerstoerung des Oekosystems Erde. Weltuntergangssekten leben von einem Heilsversprechen (meist an nur wenige Privilegierte, die gerettet werden), das den Untergang voraussetzt; sie verkuenden ihn, und versuchen NICHT, ihn zu verhindern. Wo argumentieren ExReb in dieser Weise? Welcher Prophet des Weltuntergangs versucht, die Politiker zu ueberzeugen, dass sie ihre selbstgesetzten Ziele einhalten?

    Es geht hier um Formen des zivilen Ungehorsams, die keineswegs eine Oekologie- und Friedensbewegung ausschliessen. Sie zeigen lediglich auf, dass diese nicht verhindern konnten, wie es nun steht: mehr CO2 statt weniger; und weit entfernt von Paris und seinen Zielen.
    Die Erfinder des gewaltlosen Widerstands und des demokratischen zivilen Ungehorsams haben sich zum Teil auf spirituelle und religioese Konzepte berufen. Wer findet, die spinnen (oder andere Perlen der Debattenkultur wie in den Kommentaren), der muss damit leben, dass Mahatma Gandhi und Martin Luther King dann ebenfalls zu “radikalen Sekten” zu rechnen sind.

    Anstatt die Rolle von Religion in der derzeitigen Krise zu untersuchen, wird hier Religion als Waffe gegen demokratische Protestformen in Anschlag gebracht. Die Aesthetik dieses Vorwurfs – ExReb, oder die protestierenden Jugendlichen seinen “apokalytisch” oder “Sekten”, wiederholt also das Dominanz- und Abwehrgebaren der sich als eigentliche Wahrheit gerierenden Position und verweigert sich der guten alten Ueberlegung Kants, dass die Freiheit des einzelnen dort ended, wo die Freiheit des anderen beginnt – inklusive SUVs. Es geht ums gerechte Handeln und Verhandeln, nicht um Heilsversprechen; und um eine Situation, in der Argumente ignoriert wurden, und daher performative Mittel eingesetzt werden – um Reaktionen zu provozieren, die zu einem solchen Verhandeln fuehren. Die Toten von Jonestown haben sich umgebracht; ExReb versucht zu verhindern, dass wir uns umbringen. Was ist daran apokalyptisch?

  • #26337

    Esther-Maria Guggenmos
    Participant
    @guggenmos

    Liebe Alexandra, Danke Dir! Ja, pointiert und präzise hast Du das auf den Punkt gebracht. Die Aktionsform des zivilen Ungehorsams hatte ich im zweiten Interviewteil, der geschnitten werden musste, reingebracht. Es ist wirklich schön, das in Deiner Antwort so elegant ausformuliert zu sehen. Ich finde es erst mal begrüßenswert, wenn sich jemand für die Religionsästhetik interessiert und der Journalist – ich war da auch skeptisch mit Blick auf den Sender – ist ein junger Philologe, der recht offen und nachdenkend recherchiert. So hab ich mich gern zum Gespräch bereit erklärt. Mir war vorher nicht bewusst, dass er aufzeichnen wird. Das hätte ich sprachlich anders vorbereitet, aber das nur nebenbei. Mir wurde mit dem Gespräch und unserer Diskussion nochmal besonders bewusst, dass Religionsästhetik zu betreiben eben nicht nur bedeutet, besonders gut ästhetisch decodieren zu können, sondern dass wir im Verweigern einer künstlichen religiösen Recodierung religionsästhetisch eine besondere Kompetenz (und Verantwortung?) besitzen, die eine solche Funktionalisierung unseres Gebietes direkt zur Sprache bringen kann. Diese metareflexive Komponente ist über ein enzyklopädisches Wissen doch zentral. Schön!

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